Licht sehen lernen
- Juliane Fieber
- 15. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Apr.
Teil 1 von Julianes Fotografie-Kurs

Mein Name ist Juliane. Ich arbeite als Familienfotografin und beschäftige mich seit vielen Jahren mit Licht, Momenten und der Frage, warum manche Bilder berühren und andere nicht.
In diesem Kurs möchte ich Fotografie Schritt für Schritt erklären – einfach, verständlich und mit kleinen Übungen, die man direkt ausprobieren kann.
Licht sehen lernen
Viele Menschen glauben, dass gute Fotos vor allem von der Kamera abhängen. In Wirklichkeit entscheidet etwas anderes über ein Bild:
das Licht.
Ein einfaches Motiv kann wunderschön wirken, wenn das Licht weich ist. Das gleiche Motiv kann dagegen unruhig wirken, wenn das Licht hart und direkt ist.
Bevor wir über Kameraeinstellungen sprechen, lernen wir deshalb zuerst, Licht zu beobachten.
Das funktioniert mit:
dem Smartphone
einer alten Spiegelreflexkamera
oder jeder anderen Kamera.
Eine Kamera für den Kurs zu kaufen ist übrigens nicht teuer. Viele ältere Spiegelreflexkameras bekommt man heute gebraucht für wenig Geld und sie liefern immer noch sehr gute Bilder.
Ein Objektiv, das sich besonders gut zum Lernen eignet, ist eine Festbrennweite, zum Beispiel ein 50-mm-Objektiv.
Diese Objektive sind oft lichtstark und sehr einfach aufgebaut. Weil man nicht zoomen kann, bewegt man sich automatisch mehr und entwickelt schneller ein Gefühl für Bildausschnitt und Perspektive.
Lichtqualität erkennen
Wenn Fotograf:innen über Licht sprechen, meinen sie nicht nur, wie hell es ist, sondern vor allem wie es wirkt.
Eine einfache Möglichkeit, Licht zu beurteilen, ist ein Blick auf die Schatten.
Schatten verraten sehr schnell, welche Qualität das Licht hat.
Hartes Licht
Hartes Licht erzeugt deutliche, scharfe Schatten.
Die Übergänge zwischen hell und dunkel sind klar zu erkennen.Dieses Licht entsteht oft bei:
direkter Mittagssonne
kleinen Lichtquellen wie einer Taschenlampe
direktem Blitzlicht
Gesichter wirken dabei oft kontrastreich und manchmal etwas unruhig.
Weiches Licht
Weiches Licht erzeugt sanfte, weiche Schatten.
Die Übergänge zwischen hell und dunkel sind fließend.Dieses Licht entsteht zum Beispiel bei:
Fensterlicht, solange die Sonne nicht direkt hinein scheint
bewölktem Himmel
Licht, das durch Vorhänge oder Wolken gestreut wird
Gerade für Portraits und Familienbilder wirkt dieses Licht oft besonders angenehm.
Tipp:
Wenn du unsicher bist, wie das Licht wirkt, schau zuerst auf die Schatten.
Sind die Schatten sehr scharf und deutlich, ist das Licht eher hart.
Sind die Schatten weich und kaum zu erkennen, ist das Licht weich.
Viele Fotograf:innen beurteilen Licht genau auf diese Weise.
Übung 1 – Fensterlicht entdecken
Suche dir ein einfaches Motiv:
eine Tasse
eine Pflanze
ein Spielzeug
ein Buch
Fotografiere es an drei verschiedenen Positionen.
1. Direkt am Fenster
2. Etwas weiter weg vom Fenster
3. Mit eingeschaltetem Deckenlicht
Vergleiche danach Deine Bilder.
Achte auf:
die Schatten
die Helligkeit
wie ruhig das Bild wirkt
Viele werden feststellen, dass Fensterlicht besonders angenehm wirkt.
Tipp zur Tageszeit und Fensterrichtung
Für diese Übung eignet sich Licht besonders gut, wenn es weich und indirekt ist.
Ideal sind:
Morgenstunden oder später Nachmittag
leicht bewölkter Himmel
Auch die Richtung des Fensters spielt eine Rolle:
Nordfenster liefern oft sehr gleichmäßiges, weiches Licht über den ganzen Tag.
Ostfenster haben morgens schönes weiches Licht.
Westfenster eignen sich gut am Nachmittag und Abend.
Südfenster bekommen häufig direktes Sonnenlicht, das schnell sehr hart wirken kann.
Wenn die Sonne direkt ins Fenster scheint, kann ein Vorhang oder eine Gardine helfen, das Licht etwas weicher zu machen.
Übung 2 – Hartes Licht verstehen
Jetzt brauchst du eine kleine Lichtquelle, zum Beispiel:
eine Taschenlampe
die Handy-Taschenlampe
Lege wieder einen Gegenstand auf den Tisch.
Fotografiere ihn:
Mit Taschenlampenlicht
Am Fenster
Beobachte:
Wie verändern sich die Schatten?
Wo sind die Schatten härter?
Wo wirkt das Bild natürlicher?
Übung 3 – Licht im Alltag beobachten
Diese Übung braucht keine Kamera.
Beobachte heute einmal bewusst das Licht:
morgens
mittags
abends
Stelle dir dabei drei Fragen:
Woher kommt das Licht?
Wie hart sind die Schatten?
Wo wirkt das Licht besonders angenehm?
Fotograf:innen beginnen oft nicht mit der Kamera, sondern mit einer einfachen Gewohnheit:
Sie schauen zuerst auf das Licht.
Zeit für die Übungen
In diesem ersten Teil von Julianes Fotografie-Kurs geht es vor allem darum, Licht zu beobachten.
Nimm dir in den nächsten Tagen Zeit, die Übungen auszuprobieren und achte besonders auf die Schatten. Sie verraten dir viel darüber, wie Licht wirkt.
Du kannst die Übungen mit dem Smartphone oder jeder Kamera machen und sie ruhig zu verschiedenen Tageszeiten wiederholen.
Der nächste Teil des Kurses erscheint in etwa einer Woche.
Im nächsten Teil von Julianes Fotografie-Kurs
Im nächsten Artikel „Warum Kameras manchmal falsch belichten“ schauen wir uns an, wie Kameras eigentlich entscheiden, ob ein Bild richtig belichtet ist.
Denn Kameras gehen davon aus, dass eine Szene ungefähr der Helligkeit von 18 % Grau entspricht. Genau deshalb werden dunkle Motive oft zu hell und sehr helle Motive manchmal zu dunkel fotografiert.
Wenn man versteht, wie die Kamera Licht misst, kann man beginnen, die Belichtung bewusst zu steuern.
Julianes Fotografie-Kurs
Teil 1 – Licht sehen lernen
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