Neuigkeiten

 

 

Guten Morgen an diesem nicht ganz so sonnigen Sonnentag.

Ich wollte Euch ein bisschen was über den Prozess der Buchung erzählen und warum ich es so bedeutsam finde, Eure Familie zu fotografieren, Eure Geschichten zu erzählen. Warum ich weg wollte von dieser "normalen Fotografie", die für viele so viel Stress bedeutet, weil sie einem das Gefühl gibt, man müsste super perfekt zurechtgemacht sein, das Leben muss zu dem Zeitpunkt perfekt sein, alles muss passen, die Frisur und das Makeup sitzen. Eines vorab: ja, ich style Euch ab jetzt, angefangen bei Mama, warum ich das mache hat etwas mit meiner Bildbearbeitung, meiner Art zu sehen und so vielen anderen Dingen zu tun, die aus den Bildern ein Ganzes machen. Das hat weniger etwas damit zu tun, dass Ihr perfekt aussehen sollt, sondern darum, dass Ihr harmoniert, dass Ihr Euch bewegen könnt und schmutzig machen könnt, jupp, richtig gehört, schmutzig machen können ist suuuuuperwichtig. 

 

Vor ein paar Tagen habe ich von einer Mutter gehört, deren Kinder sie fast verloren hätten, ich habe ein gute Freundin, die 2 kleine Kinder praktisch alleine großzieht, weil der Papa nur am Wochenende da sein kann, ich kenne eine Mama, die ihre drei Kinder ganz allein großzieht, in einem neuen Land, völlig neuer Sprache, das Leben kann so erschöpfend sein, so grau und trist und trotzdem, sie sind soooo stark und halten ihre Kinder fest, das Leben ist nicht perfekt, es kann auch furchtbar anstrengend sein, man bekommt das Gefühl, dass nichts vorwärts geht, dass man nichts in die Reihe bekommt, weil diese kleinen Menschen einen so brauchen und manchmal braucht man einen Menschen, der einem zeigt, wie viel Schönheit in all diesem Chaos steckt, wie viel Liebe. Die Mamas sind eindeutig die Helden in meinen Fotos, egal, wie das Leben gerade ist, auf welchen Höhen, in welchen Tiefen man sich befindet, man hat immer noch sich als Familie, das ist es was zählt. Das ist es, was Familienfotografie für mich so bedeutsam macht, wo Licht ist, ist auch Schatten, man muss nicht immer nur strahlen, man darf auch verletzlich sein, man darf den Atem anhalten, sein Kind halten und sich wünschen, das dieses Gefühl, ewig dauern solle, dass man es festhalten kann und es nie, nie, nie größer sein soll, als in diesem Augenblick. 

 

 

 

Wenn Ihr Euch von mir fotografieren lassen möchtet, dann haben wir eine gute Zeit zusammen, ich möchte viel von Euch erfahren, ein Gefühl für Euch und Eure Geschichte bekommen. 

Ihr fragt also bei mir an, ich gebe Euch einen Termin, der mindestens 4 bis 6 Wochen in der Zukunft liegt zur Auswahl. Wenn Ihr Euch diesen reserviert habt beginnt der schöne und aufregende, vorbereitende Part des Stylings. Wir telefonieren per Zoomcall, Ihr erzählt mir von Euch und wir besprechen Mamas Kleidung als erstes. Ich stelle ein Moodboard zusammen auf dem man dann alle Kleidung zusammen sehen kann, von Schuhen bis hin zu Accessoires. Es gibt sehr coole Labels, bzw. Läden, Apps, die ich Euch empfehlen kann, von denen ich weiß, das die Stoffe, der Schnitt, die Farben super funktionieren. Unlängst haben wir für  meinem nächstes freies Projekt vier beteiligte Menschen für knapp 60 Euro angezogen. Da gibt es so viele Plattformen auf denen man wirklich günstig einkaufen kann ohne das Budget zu sprengen. In dem Zoomcall besprechen wir auch grob die Location und den Treffpunkt. 

Eine Woche vorher schickt ihr mir dann Bilder Eurer Kleidung oder auch ein Video, damit man noch etwas ändern kann, falls man muss.

Dann treffen wir uns eine Stunde vor Sonnenuntergang, vielleicht ein bisschen früher, fotografieren noch bis in die blaue Stunde hinein. Ihr dürft einfach sein, Euch genießen, Euch spüren, Euch halten, die Augen schließen, ich bin da und nicht da, ich leite Euch und lass Euch auch in Ruhe um diese magischen, schnell vergänglichen Momente zu finden und festzuhalten. 

Wenn Ihr weiter weg wohnt ist das kein Problem, wenn Ihr knapp 90 Minuten Fahrtzeit von Goßfelden entfernt wohnt, oder in diesem Zeitraum eine gute Location anfahrbar ist bin ich dabei. ;)

 

​​​​​​​

 

 

 

 

 

 


Ich bin wieder da

PERSÖNLICHER BLOGPOST

ICH BIN WIEDER DA, 

ÄLTER ALS ZUVOR, EIN BISSCHEN WEISER, EIN BISSCHEN WEIßER UND

ENTSPANNTER

 

 

Da bin ich wieder, 41, mittlerweile verheiratet, samt 2 Kindern und einem Hund. Ich schreibe und fotografiere für Frauen, heute schreibe ich an mich, vielleicht auch ein bisschen an Dich. 

Als vor etwa sechs Jahren meine Tochter zur Welt kam, stand die Welt still und jemand verschwand ganz klammheimlich und machte ihr Platz. Und dieser jemand war ich, ich verschwand vor meinem Mann, meinen Freunden und vor allem vor mir selbst. Wenn da nicht diese Liebe zur Fotografie gewesen wäre, ich weiß nicht, wie es mir jetzt gehen würde. Denn da waren ständig diese Schuldgefühle, bin ich eine gute Mutter, gute Ehefrau, gute Freundin... ich wollte es jedem recht machen, hab mich gern aus dem Mittelpunkt genommen und mich dabei ein Stück weit vergessen. Ich bin triefend nass aus der Dusche gesprungen, wenn ich denn mal dazu kam zu duschen, ich hab wenig gegessen, zu wenig getrunken und hatte viel zu wenig Schlaf und mich ständig in Frage gestellt.

Meine Große ist ein wunderschönes, wildes und intelligentes Kind...was mir graue Haare beschert hat, waren diese schlaflosen Nächte bis sie vier war, zehn Mal aufwachen war Normalität bei uns. Den Schlaf hole ich immer noch nach. Dann gibt es ja noch den anderen Kurzen, der 20 Monate nach ihr auf die Welt kam. Er schlief besser, aber auch er war nachts auch mal wach und Mama dann ja auch. Ich würde jetzt nichts anders machen, was ich ändern würde ist meine Sicht auf mich. Ich arbeite stets daran, eine bessere Version meiner selbst zu sein. Ich will nicht mehr verschwinden, ich bin meinen Kindern eine bessere Mutter, wenn ich mir auch mal Zeit für mich nehmen kann und damit meine ich nicht, die Beine hochlegen, sondern, dass ich fotografieren will, meinen künstlerischen Geist beschäftigen will. Und so hat jeder hoffentlich etwas anderes, das nur ihm gehören sollte.

Es hat sich herausgestellt, ich möchte beides sein...Mutter und Fotografin und beide haben ein Recht darauf Teil von mir zu sein. 

Als ich neulich fotografieren war, waren beide abends, als ich sie in Bett brachte furchtbar müde und egal, was ich machte, sie waren am Schreien, Meckern und Motzen. Diese Tonlage, wenn das Gehirn anfängt zu vibrieren. Der liebste Mann war schichtbedingt weg. Und yeah, ich konnte es weg atmen, wäre ich an diesem Tag nur zu Hause gewesen, dann hätte mich das getroffen und meine Nerven vor allem. Aber so hab ich etwas für mich getan für meinen Geist und dieses Brennen zu Fotografieren und ein Business daraus zu machen. 

Ich hatte Schuldgefühle, weil ich dachte, es wäre selbstsüchtig danach zu streben, woran ich Spaß habe.

Ich hatte Schuldgefühle, weil ich nicht ständig das Gefühl hatte, ich müsste sie fotografieren. Natürlich wenn das Licht mal schön war hab ich das mal getan, aber das Essen muss ja auch gemacht sein. Und die meiste Zeit ist die Kamera im Schrank. Ich bin jetzt sehr okay damit.

Ich hatte Schuldgefühle Werbung zu machen, ernsthaft. Ich dacht man würde mich für arrogant halten, weil ich mich gut genug finde um mich zu zeigen. Ich meine, was bringt es mir, wenn ich mir darum Gedanken mache, was andere für ein Bild von mir haben. Nichts, genau ... aber das musste ich erst einmal begreifen.

Ich hatte Schuldgefühle anderen Fotografen gegenüber, weil ich dachte, ich würde ihnen Aufträge wegnehmen. Und ich war sauer, wenn ich sah, wie andere voranschritten und ich mit diesen dämlichen Schuldgefühlen zu kämpfen hatte. Es ist okay, ich vergleiche mich nicht mehr und ich beurteile auch keine anderen, denn das Gleiche wünsche ich mir ja auch für mich. Das ist nicht immer leicht, aber ich möchte mich ja um meine Arbeit kümmern und nicht die anderer aus meiner Perspektive beurteilen, das klaut mir nur Zeit.

Ich habe meine Kamera nicht an meine Hüfte getackert und nehme sie nicht ständig in die Hand, während andere sie vermeintlich nie aus der Hand legen. Es macht mich nicht zu einer schlechten Fotografin. Es ist okay, wenn man mit zwei kleinen Kindern und Hund samt Rädern unterwegs ist, die Kamera zu Hause zu lassen.

Es ist okay, wenn meine Familie mich braucht, ich für sie da bin und nicht mehr Zeit habe um zu Fotografieren, sie werden größer und sind nur einmal klein. Diese Zeit bringt niemand wieder. Das macht mich nicht zu einer schlechten Fotografin, wenn ich nicht jeden Tag fotografieren kann.

Es ist okay, wenn ich andere Familien lieber fotografiere, als meine eigene.

Es ist okay, wenn ich nicht bei jeder Familienfeier die Kamera zücke, warum auch, wenn das Licht katastrophal ist.

Es ist okay, wenn ich Bekannte nicht mehr umsonst fotografiere...hat bisher selten einen Folgeauftrag gegeben.

Es ist okay, dass ich kein Studio habe. Das macht mich nicht zum Fotografen. Zum Fotografen machen mich andere Dinge. Wenn andere meinen, ein richtiger Fotograf ist nur jemand mit Studio, dann tangiert das mein Leben in keinster Weise, denn die, die von mir fotografiert werden wollen, sehen sich meine Bilder an und nicht meine Ausstattung. 

Es ist okay, wenn ich mal Nein sage.

Es ist okay, wenn ich es nicht jedem recht machen kann. Es gib nichts und niemanden, der alle Geister auf dieser Welt einen kann.

Es ist okay, wenn ich meinen Weg gehe und meine Arbeit so gestalte, wie ich es für richtig halte.

Es ist okay, dass ich nicht alles fotografieren will, was mir unter die Augen kommt.

Es ist okay, wenn andere meine Arbeit nicht mögen, es sind ihre Gedanken, nicht meine. Es beeinflusst nichts von dem, wie ich als Mensch bin. Die Welt dreht sich trotzdem weiter. Die Sonne geht auf und unter. Es regnet oder schneit. 

Es ist okay, dass ich mich gern habe, auf mich achte, denn ich bin der Mensch, der mit mir die meiste Zeit seines Lebens verbringt.

Es ist sehr okay, wenn mal gar nichts mehr okay ist, denn da gibt es ja noch das Leben, das manche Überraschung bietet.

Also da bin ich wieder, oder endlich, auf jeden Fall ICH.

 

Deine Juliane

 


Keine Ausreden mehr

 

HÖR AUF ZU ENTSCHULDIGEN, WARUM DU KEINE FAMILIENBILDER MACHST,

 

Oft, wenn ich Frauen treffe und erzähle, dass ich Familienfotografin bin, dann fallen ganz schnell Sätze wie: "Um Familienbilder zu machen muss ich erst 5 Kilo verlieren", oder "Die Kinder sind schon zu groß.", "Mein Mann mag das nicht.","Wir sehen nicht so aus wie die Menschen in Deinen Bildern." Wow, das sind immer eine Menge Entschuldigungen, dabei wollte ich doch gar nichts verkaufen, ich hab nur erzählt, was ich tue und anscheinend möchten viele gern Bilder haben, finden aber noch genug Ausreden, warum sie es nicht machen lassen möchten. 

Niemand muss irgendwie aussehen um Fotos machen zu lassen, niemand muss sich da verdrehen und auch das Alter ist völlig egal.

Short Story am Rande. Wir waren am Wochenende auf einem 40. Geburtstag eingeladen. Da waren vom Geburtstagskind Bilder aus allen Lebensabschnitten, mit Verwandtschaft und ohne, als Baby und mit eigenen Babys. Bilder sind Zeitzeugnisse. Dann unterhielt sich jemand mit seiner Mama über ein Bild beim Kaffeetrinken. Der Tisch auf dem Bild war voll mit Torten und Kuchen und sie meinte, das wäre damals so gewesen. Man kann seinen Kindern davon erzählen, man kann es ihnen aber auch zeigen. Man kann Ihnen ja jetzt schon zeigen, wie klein sie vor zwei Jahren waren. Die Zeit rast, schneller als uns lieb ist, darum, wenn Ihr wirklich Bilder wollt, sucht keine Entschuldigungen mehr.

Deine Familie ist wunderbar, genau so wie sie ist, lass es mich Dir mit meinen Augen zeigen, was ich in Euch sehe.

Das, was ich weiß ist, und diese Wahrheit ist unumstößlich, Zeit rennt und Deine Familie verändert sich von Jahr zu Jahr. Professionelle Familienbilder halten einen Teil dieser steten Veränderung künstlerisch fest. 

Tue es! 

"Ich kann das Geld nicht vollständig aufbringen." - Kein Problem, bei mir kann man auch in Raten zahlen.

"Ich finde keine Zeit dafür." - Ich habe meine Website vollgestopft um die wichtigsten Dinge vorab zu klären, das eigentliche Fotoshooting bei mir ist innerhalb einer Stunde vorbei, bei Neugeborenen nach etwa zwei Stunden. Keine langen Vorgespräche, wir müssen nur eine Uhrzeit, Datum und den Ort vereinbaren. 

Such einfach nicht mehr nach Gründen es nicht zu tun. Lass mich oder einen anderen Fotografen dieses Jahr Bilder von Euch machen, Du wirst es nicht bereuen.

 

JETZT UNVERBINDLICH ANFRAGEN

 

 

 


 

 

 

 

 


Warum dokumentarische Familienfotografie selten dokumentarisch ist

 

GLAUB IHNEN NICHT

Fiese Worte, aber mal ehrlich, dokumentarisch, das würde bei den wenigsten funktionieren. Dokumentarisch würde bedeuten, ich treffe meine Familien, stehe schweigend da und schaue sie an...sie schauen mich an ... und ich würde irgendwann nur sagen, weil sie immer noch schauen: "Na, jetzt macht doch mal." Okay, wenn man es ganz genau nehmen würde, ist es schon da vorbei mit dem "dokumentarisch", denn ich habe ja schon mit Worten eingegriffen. Ich lese immer wieder bei Instagram oder Facebook, Worte wie "Wie ich diese natürlichen Momente liebe" und "Sooo ungestellt." und HAAAAAA, ich sage nix da.... gut bei Hochzeitsfotos ist es was anderes, da passiert vieles, aber da gibt es ja auch einen Plan: Make Up, Anziehen, Heiraten, Feiern etc..... da ist Bewegung und Emotion ja schon implementiert. Ich weiß, es gibt Riesenfans von dieser Idee, dass sich alles natürlich entwickelt, ich kenne auch ein paar Familien, da weiß ich, das ich nur die Kamera draufhalten müsste. Aber es gibt die Leute wie Dich und ja auch mich, also die meisten, Schwester, die das nicht können... Stell Dir vor, ich sage: Sei mal ganz natürlich und ich bin gar nicht da .... meinst Du da passieren Dinge wie Berührung, Küsse, Streicheln, während ich stumm dastehe und nur die Kamera draufhalte....und das Internet ist voll davon mit diesen Behauptungen, alles sei so passiert, so natürlich und ohne Ansage.... und die Fotografen, die beginnen sind verzweifelt, weil ihre Familien eben nicht natürlich zueinanderfinden und interagieren und jaaaaaaa, es gibt Fotografen, die den Tag einer Familie begleiten und dann auch genug Material haben, aber meist sind das ganz spezielle Fotografen, die dann das Doppelte kosten, zurecht, denn sie sind mehrere Stunden da. Aber ich will auch für die das sein, die sich das nicht vorstellen können, die gerne Bilder hätten, aber die Kamera scheuen. Das gibt es, ich bin selbst so ein Exemplar...sobald eine Kamera auf mich gerichtet ist, sitze ich gerade, ziehe den Bauch ein, bewege mich seltsam und mache einen Entenschnabel oder guck einfach wirklich nur bescheuert.

Ich finde man verschreckt viel mehr Leute, mit diesem Schnubbselduppseleasypeasygetue, weil alle sich unter Druck gesetzt fühlen, weil sie denken, sie müssten wie Elfen über die Wiese schweben. Weil sie nicht wissen, wie sie dahin kommen sollen, dass sie auf den Fotos "natürlich" aussehen, sich "natürlich" verhalten, während das große, schwarze Auge sie beobachtet.

Wenn ich manchmal so in diesem Alltagsstress gefangen bin, da bin ich aber sowas von weit weg von diesem Gefühl, dass man uns so festhalten möchte, wie wir gerade drauf sind und ich denke, ich bin nicht alleine damit. Wenn ich dagegen abends die schlafenden Gesichter studiere, dann bin ich im schönsten Film der Welt und vergesse oft die Tiefs des Tages. 

 

Dazu eine kleine Anekdote aus meiner Schauspielschulzeit... Jan sollte einen Dieb spielen, der in einem Buchladen was klauen will.... Jan geht also in diesen imaginären Buchladen und liefert voll die fette Improvisation ab (Ich persönlich hasse Impro), ich war tief beeindruckt von ihm...er schlich da rein, guckte fies, verbarg sich hinter einem Bücherstapel, beobachtete, drehte sich dauernd um, nahm das Buch und schlich tief gebückt und gekrümmt um sein Diebesgut zu verstecken, da raus...er hatte also eine minimale Anweisung erhalten und durfte sich eigentlich ziemlich frei bewegen in seiner Improvisation...so ein bisschen wie die: "Sei mal natürlich und nun mach mal!" Lüge der angeblich rein dokumentarischen Familienfotografie ...Okay und jetzt nehmen wir mal an Jan ist ein echter Bücherdieb, Du stehst gerade im Buchladen und da kommt so ein Typ rein ... würde sich denn ein echter Profidieb so verhalten? Ich meine, stell Dir das wirklich mal vor ... schließ die Augen und jetzt kommt dieser seltsame Vogel rein ... der wäre auf jeden Fall schon irgendwo, wo er nicht mehr rauskommt.

Und so ist es eben auch mit der Lifestylefotografie, ich lasse nicht zu, dass Ihr dieser Typ Dieb werdet, Ihr werdet Meisterdiebe. Ich stelle Euch hin, ich überlege Positionen, ich gebe Aufgaben, ich habe einen Plan, ich lasse niemanden einfach so loslaufen, es sei denn, ich sage "Lauf los." Und jaaaa, ich weiß es gibt viele die bekommen ein Augenzucken bei Thema "Posen", aber ganz ehrlich gutes Posen ist eine Kunst, eben wenn man Lifestylefotografie macht wo es am Ende natürlich und ungekünstelt aussehen soll.

Und klar wirken die Bilder echt, denn sie sind voll mit Euren Emotionen, Ihr seid ja auch vertraut miteinander, aber man muss, muss, muss eben die Menschen dafür "posen" können...Man muss wissen, was vorteilhaft aussieht, man muss wissen, wo das Licht am Besten ist, man muss wissen, welche Aufgaben man den Kids stellen kann....nennen wir es doch einfach "beschäftigen" statt "posen", es meint das Gleiche. Ich drehe Köpfe, setze Blick und Hände. Und nur, wenn ich feste Punkte in meinem Plan habe, kann ich jeder Familie wieder und wieder die gleiche Qualität und vielfältige Bilder liefern. Keine Familie sieht gleich aus, auch wenn die "Posen" sich wiederholen oder man von der gleichen Basis startet.

Und jeder kann solche Bilder von sich haben, das ist doch neben allem künstlerischen und technischen Können die Aufgabe des Fotografen mit Menschen umgehen zu können. Ich will hier niemanden überzeugen, der ein Riesenfan von Studiobildern ist, oder es mag, wenn man sich "hinstellt" oder nur in die Kamera sieht und in die Kamera lacht, dafür gibt es ja auch Fotografen, die das anbieten, was supercool ist, denn mittlerweile bin ich so weit, dass ich das tue, was ich als richtig empfinde und nicht das, was man meint, was allgemein bekannt oder gewünscht ist...ein paar solcher "traditioneller" Bilder mach ich auch zwischendurch und bei Babybauchshootings "posiere" ich Mama solo auch ein bisschen mehr und dirigiere Kopf, Beine und Füße... aber ich weiß von vielen, die Lifestyle mögen und spannend, eben weil sie nicht in die Kamera gucken müssen und den Entenschnabel machen, so wie ich, aber einfach befürchten, sie könnten das nicht. Also dieses ad hoc etwas tun, ohne das jemand etwas vorgibt.  Das ist aber Käsekuchen, ihr müsst nichts "können", nur vertrauen, dass Ihr genau so richtig seid, wie ihr seid. 

 

Habt einen tollen Tag, 

Eure Juliane

 


Warum ich Neugeborene nicht mehr im Studio fotografiere

 

Warum ich Neugeborene nicht mehr im Studio fotografiere.

 

 

Zu sich zu finden ist eine lange Reise.

Es gab eine Zeit, da bin ich zu meinen Familien gefahren, mit meinem Posingbag, Posingbeans, allen möglichen Props, Hintergründen, einem Heizlüfter um die Babys zu fotografieren. Oder ich habe schon tags zuvor unser Zuhause auseinandergenommen um bei uns Fotos machen zu können. Es hat viele Anläufe gebraucht, viele Momente, in denen nichts funktionierte, wie ich es mir vorgestellt habe und viel Selbstreflexion und ich musste mir eingestehen, dass die "traditionelle" Neugeborenen Fotografie nichts für mich ist. Es entspricht einfach nicht meinem "Warum" und wie ich Menschen wahrnehme. 

 

Das Baby führt.

 
Das bedeutet, dass ich das Baby nicht mehr in irgendwelche Positionen lege, die es selbst so nicht einnehmen kann, um dann Stunden damit zu verbringen, es zu beruhigen, die Finger und den Kopf, die Füße perfekt in Linie zu bringen. Ja, für ihre Portraits lege ich sie auch mal auf ihren Bauch, aber ich posiere sie nicht mehr in der Art, wie klassische Neugeborenen Fotografen es im Studio machen. Keine Schüsseln, Schalen, Betten, Nester, Kartoffelsäcke .... .

 

MEINE GRÜNDE:

 

 

1. Ich finde, Babys sollten nicht über einen langen Zeitraum aus den Armen ihrer Eltern genommen werden.  Als meine Kinder auf die Welt kamen, wurden sie mir gleich auf den Bauch gelegt um dieses einzigartige Band zu schaffen...mein Mann hat sie nicht mehr aus dem Arm geben wollen. In der klassischen Neugeborenen Fotografie wird manchmal besprochen, dass man aufpassen muss, dass die Mama nicht in die Nähe kommt, sonst würde das Baby, wenn es die Brust bekommt, die Milch riechen, unruhig werden, Hunger bekommen und dann ist es erst einmal wieder vorbei mit dem entspannten Posing. Es gibt sogar Fotografen, die die Mama bitten den Raum zu verlassen. Und ja, es stimmt tatsächlich, aber es ist eben ein Instinkt, ein sehr wichtiger Instinkt und wie verrückt das eigentlich ist, zu versuchen das zu umschiffen nur um möglichst perfekte Posen zu bekommen. Als ich mir klarmachte, was hier eigentlich nicht stimmt, lag eigentlich alles auf der Hand. Sobald ein Baby unruhig wurde, war mein ursprüngliches Bedürfnis im Bauch immer das, es direkt seiner Mama zu geben, aber gelernt habe ich was anderes, erst mal versuchen, es selbst zu beruhigen.... aber ich habe da so ziemlich komplett gegen meine innere Überzeugung gearbeitet. Als ich mit meinem Sohn ins Krankenhaus musste, als er drei Wochen war, hörte ich ein Baby schreien, das allein auf der Station war und ich, mein Herz, und natürlich meine Hormone wollten sofort zu ihm hin, es in die Arme nehmen und trösten und beruhigen... es ergibt für mich einfach tatsächlich keinen Sinn ein Baby über längere Zeit auf einem Beanbag oder in einem hübschen Eimer haben, weg von seinen Eltern. Jetzt halte ich es so, dass die Babys die meiste Zeit in den Armen ihrer Eltern bleiben. Ihr seht, es war ein langer Weg der Erkenntnis und statt zu stoppen, habe ich einfach immer mehr Dekorationsmaterial gekauft, weil ich dachte, die Leere, die ich bei den Bildern fühle, kann ich nur kompensieren in dem ich sie besser ausstatte. Jetzt habe ich einen vollen Keller, bin ärmer und um so viel reicher.
 
2. Babys sind wunderschön, so wie sie sind. Wenn Babys sich strecken, räkeln, gähnen, den Rücken runden, wenn man sie für einen kurzen Moment auf den Bauch legt, dass sind alle diese Momente, die ich bei meinen Kindern mit großem Staunen und Entzücken stundenlang betrachten wollte. Das sind die Dinge, an die ich mich erinnern möchte. Wenn sie in ihr eigenes Pucktuch gewickelt waren, das ist so simpel und wunderschön. Nicht das Bild mit perfekt gelegten Händen und Fingerchen, weggewickelten Armen, ohne störende Fäuste vor dem Gesicht. Es gibt doch so früh so vieles was sie tun, wie sie sich bewegen und dieses ein Leben lang beibehalten. Wenn man sie in ihrer Bewegung einschränkt wird es nicht sichtbar. Aber was will man, was von den Bildern bleibt, eigentlich ist es doch die Einzigartigkeit und Persönlichkeit, die diese kleinen Menschen von Anfang an mitbringen. Eine zeitlang hab ich mir auch vorgehalten, warum ich meine eigenen Babys nicht schon so fotografieren konnte, sie so perfekt in Szene gesetzt habe und hey, was bin ich froh, dass ich es nicht getan habe. Eine Freundin nahm mal ihr Kind aus dem Arm der Fotografin und verließ das Studio, die Fotografin war technisch super,  für meine Freundin fühlte es sich aber einfach nicht richtig an. Und wahrscheinlich wäre es mir auch so gegangen, ich bin eine Löwenmutter geworden und wollte mein Baby nicht hergeben. Als ich Studiofotos von den Babys gemacht habe, war ich innerlich so froh, wenn eine Mama mir ihr Baby in die Hände gelegt hat...weil ich ja weiß, wie ich in den ersten Wochen war. Schräg, oder?
 
3. Ich finde, die meisten Posen sind nicht sicher. Es gibt wirklich wenige Posen, die aus sich heraus sicher sind. Vieles sind Kompositionen. Babys im "Kartoffelsack" hochkant hingestellt sollten immer zwei Bilder sein, die später zusammengesetzt werden. Ich habe aber auch schon bei Instagram Videos gesehen, da wurden die Bilder gemacht, ohne dass das Baby überhaupt gestützt wurde. Man möchte sich gar nicht vorstellen was passiert, wenn es unruhig wird und plötzlich den Kopf nach hinten wirft... Oder die "Froggy Pose", wenn Babys Kopf auf die Hände gestützt wird...diese Sicherheitsrisiken einzugehen sind für mich kein Foto der Welt wert.
 
4. Keinen Stress mehr. Als ich noch Studiofotos gemacht habe, haben alle Stunden investiert, ich, die Eltern, die Geschwister und das Baby. Ich habe endlos lange das Baby beruhigt und versucht es zum Schlafen zu bringen, oder die Posen bis ins letzte perfektioniert, penibel drauf geachtet, dass es auch ständig gesichert ist und alle auf Trab gehalten. Wenn man ein neues Baby hat, ist das Leben gerade sehr, sehr anstrengend, man hat wahrscheinlich viel zu wenig Schlaf bekommen und Mama muss oft noch heilen. Gut jetzt könnte man sagen, dass es auch stressig ist, wenn man für das Fotoshooting zu Hause, alles auf Hochglanz bringen muss...muss man aber nicht, denn es findet sich immer ein Plätzchen mit gutem Licht von dem man ganz schnell störende Kleinigkeiten, die auf dem sein könnten, entfernt. Von den Räumen ist auch immer nur ein winzig kleiner Teil zu sehen und verschwindet in der Unschärfe, wenn Ihr also überlegt Eure Bilder bei Euch machen zu lassen, erliegt nicht der falschen Annahme, dass Ihr picobello aufräumen und putzen müsst. Um Himmels Willen, Ihr habt gerade ein Baby bekommen, das braucht man nicht um zu fotografieren. Einfach alles was stört in einen Wäschekorb, ab damit ins Bad und das war es. 
Ich will meinen Familien zeigen, dass ihre Babys perfekt sind, so wie sie auf die Welt gekommen sind. Sie brauchen keine Rüschen, Schleifen, Hasenohren, Blumen, Bärchenmützen um niedlich und wunderschön zu sein. Sie sind genau richtig, wie sie sind, ob sie wach sind, oder schlafen, ob sie gerade unruhig sind oder entspannt durch die Gegend sehen. Ob sie auf dem Arm sind oder auf dem vertrauten Bett liegen. Ich erwarte nichts. Ich bin innerhalb von 2 Stunden wieder aus der Tür, seit ich Babys nicht mehr pose oder die Varianten mixe. Mehr Zeit für Euch, Euer Baby und Eure Ruhe. 
 
 
 
 
 
 MEIN RESÜMEE: BABYS SIND PERFEKT, WIE SIE SIND
 
Jetzt weißt Du, warum ich mich dafür entschieden habe, die Studiofotografie hinter mir zu lassen, einfach, weil für mich jeder Mensch, egal wie alt er ist, so richtig und perfekt ist, wie er zur Welt gekommen ist, mit all seinen Eigenschaften, die ihn so einzigartig sein lassen. Das gilt es abzulichten, nicht das perfekt dekorierte Baby. 
 
Hab einen schönen Tag, Deine Juliane